Ein Blick hinter unsere Bildungsarbeit
Gute Weiterbildung besteht nicht nur aus guten Inhalten. Entscheidend ist auch, wie sie entwickelt, vermittelt, geprüft und weiterentwickelt wird. In dieser wachsenden Serie beantworten wir die Fragen, die hinter unserer Bildungsarbeit stehen – Woche für Woche, Frage für Frage.
Wer ein Thema fachlich beherrscht, weiss viel darüber. Das bedeutet jedoch noch nicht automatisch, dass dieses Wissen auch so vermittelt werden kann, dass andere Menschen daraus lernen.
Genau hier beginnt professionelle Bildungsarbeit.
Erwachsene bringen unterschiedliche berufliche Erfahrungen, Vorkenntnisse, Erwartungen und Lerngewohnheiten mit. Manche Teilnehmende arbeiten bereits seit Jahren in einer Saunaanlage, andere steigen neu in das Berufsfeld ein. Gute Weiterbildung muss diese unterschiedlichen Ausgangslagen berücksichtigen und gleichzeitig sicherstellen, dass definierte Lernziele erreicht werden.
Eine fachlich kompetente Person kann erklären, wie etwas funktioniert. Eine kompetente Kursleitung muss zusätzlich überlegen, wie Lerninhalte aufgebaut werden, welche Methoden geeignet sind, wie vorhandene Erfahrungen einbezogen werden und wie aus theoretischem Wissen berufliche Handlungskompetenz entsteht.
Dazu gehört beispielsweise, Lernprozesse zu strukturieren, verständlich zu erklären, geeignete Lernformen einzusetzen, Rückmeldungen zu geben und zu erkennen, wenn Teilnehmende zusätzliche Unterstützung benötigen. Ebenso wichtig ist es, Raum für Erfahrungsaustausch und Reflexion zu schaffen.
Bei unseren Bildungsangeboten achten wir deshalb nicht nur darauf, was vermittelt wird. Ebenso wichtig ist für uns, wie vermittelt wird.
Unsere Dozierenden bringen Fachkompetenz aus ihren jeweiligen Themengebieten mit. Gleichzeitig stellen wir Anforderungen an ihre Kompetenzen in der Erwachsenenbildung. Denn wer bei uns unterrichtet, soll nicht lediglich Fachwissen präsentieren, sondern Lernprozesse professionell gestalten können.
Auch bei der Entwicklung unserer Lehrgänge betrachten wir deshalb Inhalte, Lernziele, Methoden, Praxisphasen und Leistungsnachweise nicht unabhängig voneinander. Sie sollen zusammenspielen und den Transfer in die berufliche Praxis unterstützen.
Das ist besonders wichtig in einem Berufsfeld, in dem Menschen mit sehr unterschiedlichen beruflichen Hintergründen zusammenkommen und Weiterbildungen auch einen qualifizierten Einstieg in ein neues Tätigkeitsgebiet ermöglichen können.
Eine gute Weiterbildung erkennen wir nicht daran, wie viel eine Fachperson erzählt hat.
Entscheidend ist, was die Teilnehmenden am Ende verstanden haben, anwenden können und in ihre berufliche Praxis übertragen können.
Deshalb gilt für uns:
Fachwissen ist unverzichtbar. Vermittlungskompetenz ebenso.
Qualität | Ausbildung | Kompetenz
Andragogik beschäftigt sich mit dem Lernen und der Bildung Erwachsener.
Für uns bedeutet das vor allem: Erwachsene sind nicht einfach Empfänger:innen von Informationen. Sie bringen bereits Erfahrungen und Wissen mit, können neue Inhalte damit verknüpfen, hinterfragen sie und möchten verstehen, welchen Nutzen das Gelernte für ihre eigene Praxis hat.
Professionelle Erwachsenenbildung berücksichtigt diese Voraussetzungen bei der Planung und Durchführung von Lernveranstaltungen.
Berufs- und Lebenserfahrung kann eine wertvolle Ressource für das Lernen sein.
Wenn Teilnehmende eigene Erfahrungen einbringen, Situationen vergleichen, Vorgehensweisen diskutieren oder gemeinsam Lösungen entwickeln, entsteht Lernen nicht nur durch die Kursleitung. Auch der Austausch innerhalb der Gruppe wird Teil des Lernprozesses.
Das bedeutet allerdings nicht, dass jede bisherige Erfahrung automatisch richtig ist. Weiterbildung bietet ebenso die Möglichkeit, bestehende Routinen zu hinterfragen, neues Wissen damit abzugleichen und das eigene Handeln weiterzuentwickeln.
Erfahrung ist deshalb nicht nur etwas, das Teilnehmende mitbringen. Sie kann selbst zum Lerngegenstand werden.
Erwachsene möchten in der Regel wissen, warum sie etwas lernen und wofür sie dieses Wissen benötigen.
Gerade in einer beruflichen Weiterbildung sollte deshalb erkennbar sein, welchen Bezug ein Thema zur späteren Tätigkeit hat. Theorie und Praxis dürfen nicht unabhängig nebeneinanderstehen.
Das beeinflusst auch die Gestaltung unserer Lernveranstaltungen: Erklärungen, Demonstrationen, praktische Übungen, Erfahrungsaustausch und Reflexion können unterschiedliche Funktionen erfüllen. Welche Methode eingesetzt wird, sollte davon abhängen, was die Teilnehmenden lernen und anschliessend können sollen.
Unsere Teilnehmenden bilden keine homogene Gruppe – und das sollen sie auch nicht.
Berufserfahrene Fachpersonen treffen auf Menschen mit weniger Erfahrung oder auf Quereinsteiger:innen. Diese unterschiedlichen Perspektiven können eine Weiterbildung bereichern, wenn sie bewusst in den Lernprozess einbezogen werden.
Unsere Aufgabe als Bildungsanbieter besteht deshalb nicht darin, allen Menschen auf exakt dieselbe Weise möglichst viele Informationen zu vermitteln.
Wir wollen Lernbedingungen schaffen, in denen unterschiedliche Voraussetzungen berücksichtigt werden und gleichzeitig gemeinsame Lernziele erreicht werden können.
Gute Erwachsenenbildung nimmt die Menschen ernst, die lernen.
Sie berücksichtigt vorhandene Erfahrungen, schafft einen nachvollziehbaren Bezug zur Praxis und ermöglicht die aktive Auseinandersetzung mit neuen Inhalten.
Denn Erwachsene bringen bereits viel mit. Gute Weiterbildung baut darauf auf.
Qualität | Ausbildung | Kompetenz
Wer sich mit Erwachsenenbildung in der Schweiz beschäftigt, begegnet früher oder später vier Buchstaben: SVEB.
Der Schweizerische Verband für Weiterbildung ist der nationale Dachverband der Weiterbildung in der Schweiz. Für die Bildungsarbeit ist der Begriff aber noch aus einem anderen Grund relevant: Mit dem AdA-Baukastensystem – Ausbildung der Ausbildenden bestehen etablierte Qualifikationen für Personen, die Erwachsene aus- und weiterbilden.
Doch warum ist das für einen Fachverband im Saunabereich überhaupt interessant?
Genau hier schliesst sich der Kreis zu den ersten beiden Folgen unserer Reihe.
Wer viel über Sauna, Aufgüsse, ätherische Öle oder andere Fachthemen weiss, verfügt über Fachkompetenz. Wer dieses Wissen Erwachsenen vermitteln möchte, benötigt zusätzlich Kompetenzen in der Erwachsenenbildung.
Dazu gehört beispielsweise, Lernveranstaltungen zu planen, Lernziele zu formulieren, geeignete Methoden auszuwählen, Lernprozesse zu begleiten und den Transfer in die Praxis zu unterstützen.
Erwachsenenbildung ist damit eine eigene Kompetenz – und nicht automatisch Bestandteil fachlicher Expertise.
Das AdA-System schafft einen strukturierten Rahmen für die Qualifizierung von Erwachsenenbildner:innen.
Dabei geht es nicht darum, Menschen zu besseren Vortragenden zu machen. Im Mittelpunkt steht die Fähigkeit, Lernprozesse von Erwachsenen professionell zu gestalten und zu begleiten.
Das beginnt bei der Planung einer Lernveranstaltung und reicht über die Durchführung bis zur Reflexion des eigenen Handelns als Ausbilder:in.
Damit wird Erwachsenenbildung selbst zu einem Kompetenzbereich, für den Kenntnisse, praktische Erfahrung und nachgewiesene Fähigkeiten erforderlich sind.
Auch eine fachlich spezialisierte Weiterbildung bleibt Weiterbildung.
Deshalb betrachten wir bei unseren Bildungsangeboten nicht nur die Frage, wer fachlich etwas zu einem Thema beitragen kann, sondern auch, wie Lernprozesse professionell gestaltet werden.
Eine fachlich kompetente Person kann für einen bestimmten Inhalt sehr wertvoll sein. Die Verantwortung für die Gestaltung einer professionellen Lernveranstaltung geht jedoch darüber hinaus.
Genau deshalb beschäftigen wir uns mit Standards und Qualifikationen der Erwachsenenbildung.
Professionelle Weiterbildung entsteht nicht dadurch, dass Fachwissen vor einer Gruppe präsentiert wird.
Sie entsteht dort, wo Fachkompetenz und erwachsenenbildnerische Kompetenz zusammenkommen.
Der SVEB und das AdA-System geben der Erwachsenenbildung in der Schweiz dafür einen professionellen Rahmen.
Und genau deshalb spielt SVEB auch in unserer Bildungsarbeit eine Rolle.
Qualität | Ausbildung | Kompetenz
Auf den ersten Blick liegen zwischen Sauna und Erwachsenenbildung zwei verschiedene Welten.
Für uns gehören sie jedoch unmittelbar zusammen.
Wer Aus- und Weiterbildungen anbietet, übernimmt Verantwortung für Lernprozesse. Dabei spielt es keine Rolle, ob es um Sprachen, Technik, Gesundheit, Führung oder um die professionelle Arbeit in Sauna- und Wellnessanlagen geht.
Weiterbildung bleibt Weiterbildung.
Deshalb sind wir Mitglied beim Schweizerischen Verband für Weiterbildung SVEB.
Als Fachverband beschäftigen wir uns mit den fachlichen Anforderungen unserer Branche. Wir kennen die Tätigkeiten, die Herausforderungen der Praxis und die Kompetenzen, die Mitarbeitende für ihre Arbeit benötigen.
Für die Entwicklung professioneller Bildungsangebote reicht die Perspektive der eigenen Fachbranche jedoch nicht aus.
Bildung hat eigene Qualitätsanforderungen, Standards und Entwicklungen. Dazu gehören beispielsweise Fragen der Didaktik, der Kompetenzorientierung, der Gestaltung von Lernprozessen oder der Qualifikation von Ausbildenden.
Unsere Mitgliedschaft im SVEB verbindet deshalb unsere Fachperspektive mit der professionellen Erwachsenenbildung in der Schweiz.
Eine Gefahr bei sehr spezialisierten Bildungsangeboten besteht darin, dass sich eine Branche ihre eigenen Massstäbe setzt und diese irgendwann für selbstverständlich hält.
Wir möchten unsere Bildungsarbeit deshalb nicht ausschliesslich daran messen, was innerhalb der Saunabranche üblich ist.
Der Austausch mit der Weiterbildungslandschaft ermöglicht uns, andere Perspektiven einzubeziehen, Entwicklungen zu verfolgen und die eigene Arbeit immer wieder zu hinterfragen.
Nicht alles, was in anderen Bildungsbereichen funktioniert, lässt sich auf unsere Branche übertragen. Aber genau diese Auseinandersetzung hilft dabei, begründete Entscheidungen zu treffen.
Eine Mitgliedschaft allein macht noch keinen guten Kurs.
Sie ersetzt weder eine durchdachte Kurskonzeption noch qualifizierte Dozierende oder eine konsequente Qualitätssicherung.
Und sie ist auch kein Gütesiegel, mit dem wir behaupten könnten, unsere Bildungsangebote seien allein aufgrund der Mitgliedschaft qualitativ besser.
Für uns bedeutet die Mitgliedschaft vielmehr, dass wir uns bewusst als Teil der Schweizer Weiterbildungslandschaft verstehen und unsere Bildungsarbeit nicht losgelöst davon entwickeln wollen.
Wir möchten die professionelle Aus- und Weiterbildung in der Saunabranche weiterentwickeln.
Dafür benötigen wir Fachwissen aus unserer Branche – aber ebenso den Blick auf professionelle Erwachsenenbildung und deren Entwicklungen.
Deshalb suchen wir den Anschluss an etablierte Strukturen der Weiterbildung, statt unsere Bildungswelt nur innerhalb der eigenen Branche zu definieren.
Unsere Mitgliedschaft im SVEB ist ein Teil dieses Anspruchs.
Qualität | Ausbildung | Kompetenz
Unsere Reihe «Warum wir das so machen.» gibt Einblick in die Bildungsarbeit des Schweizer Sauna Bund. Gibt es etwas, das Sie dazu wissen möchten? Stellen Sie uns Ihre Frage – vielleicht wird daraus eine der nächsten Folgen.
Die Angabe einer E-Mail-Adresse ist freiwillig und nur erforderlich, wenn Sie eine persönliche Antwort wünschen. Eingereichte Fragen können anonymisiert in dieser Reihe aufgegriffen werden.