Qualität & Entwicklung

#07 Warum ein Kurs nicht mit einer PowerPoint beginnt

Wie entsteht eigentlich eine Ausbildung?

Eine Präsentation öffnen, ein paar Themen sammeln, Folien erstellen – und fertig ist der Kurs?

So einfach könnte man beginnen. Wir tun es bewusst nicht.

Bevor die erste Präsentation entsteht, müssen andere Fragen beantwortet werden: Für wen entwickeln wir das Bildungsangebot? Welche Anforderungen bestehen in der beruflichen Praxis? Was sollen die Teilnehmenden anschliessend können? Und welche Lernprozesse sind notwendig, damit sie dieses Ziel erreichen?

Erst danach stellt sich die Frage nach Folien, Unterlagen und einzelnen Unterrichtseinheiten.

Am Anfang steht nicht der Inhalt

Das klingt zunächst ungewöhnlich. Schliesslich besucht man eine Weiterbildung, um etwas zu lernen.

Bei der Entwicklung eines Bildungsangebots reicht es jedoch nicht, möglichst viele interessante Fachthemen zusammenzutragen.

Zunächst müssen wir klären, welche Kompetenzen für eine bestimmte Tätigkeit benötigt werden. Daraus lässt sich ableiten, was Teilnehmende lernen müssen und welche Inhalte dafür tatsächlich relevant sind.

Nicht alles, was man zu einem Thema wissen könnte, muss deshalb Bestandteil eines Kurses sein.

Die Kunst besteht auch darin, bewusst auszuwählen.

Von der beruflichen Praxis zum Lernprozess

Ein Bildungsangebot sollte nicht isoliert im Schulungsraum gedacht werden.

Ausgangspunkt ist die spätere Anwendung: Welche Situationen begegnen den Teilnehmenden in ihrer Tätigkeit? Welche Entscheidungen müssen sie treffen? Welche Handlungen müssen sie sicher ausführen können? Welches Wissen benötigen sie dafür?

Aus diesen Anforderungen entstehen Lernziele.

Anschliessend überlegen wir, wie diese erreicht werden können: durch fachlichen Input, Demonstrationen, praktische Übungen, Erfahrungsaustausch, Selbstlernphasen, Reflexion oder andere geeignete Lernformen.

Damit entsteht Schritt für Schritt eine Struktur.

Und wann kommt die PowerPoint?

Relativ spät.

Eine Präsentation ist ein Hilfsmittel für eine Lernveranstaltung, aber kein Bildungskonzept.

Wenn Lernziele, Inhalte und Lernwege geklärt sind, können passende Unterrichtsmittel entwickelt werden. Das kann eine Präsentation sein – genauso aber ein Arbeitsauftrag, eine praktische Übung, ein Fallbeispiel, eine Demonstration oder bewusst auch einmal gar kein Medium.

Die Methode folgt dem Lernziel und nicht umgekehrt.

Warum investieren wir so viel Zeit in die Planung?

Weil Entscheidungen in der Kursentwicklung später unmittelbare Auswirkungen auf die Teilnehmenden haben.

Ein logisch aufgebauter Lehrgang erleichtert es, Zusammenhänge zu erkennen. Praxisphasen ermöglichen die Anwendung. Wiederholungen können Wissen festigen. Leistungsnachweise können sichtbar machen, ob definierte Kompetenzen erreicht wurden.

Wer diese Elemente erst während des Unterrichtens zusammensetzt, überlässt einen wesentlichen Teil des Lernerfolgs dem Zufall.

Unser Anspruch

Eine professionelle Ausbildung entsteht für uns nicht aus einer möglichst umfangreichen Sammlung von Folien.

Sie entsteht aus der systematischen Frage, welche Kompetenzen Menschen für ihre Tätigkeit benötigen und wie wir sie dabei unterstützen können, diese zu entwickeln.

Erst wenn wir darauf Antworten haben, beginnen wir mit der konkreten Ausgestaltung.

Deshalb beginnt ein Kurs bei uns nicht mit einer PowerPoint. Er beginnt mit der Frage, was Menschen am Ende können sollen.

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