Lehren & Lernen

#02 Andragogik – warum Erwachsene anders lernen

Was bedeutet Andragogik?

Andragogik beschäftigt sich mit dem Lernen und der Bildung Erwachsener.

Für uns bedeutet das vor allem: Erwachsene sind nicht einfach Empfänger:innen von Informationen. Sie bringen bereits Erfahrungen und Wissen mit, können neue Inhalte damit verknüpfen, hinterfragen sie und möchten verstehen, welchen Nutzen das Gelernte für ihre eigene Praxis hat.

Professionelle Erwachsenenbildung berücksichtigt diese Voraussetzungen bei der Planung und Durchführung von Lernveranstaltungen.

Warum spielt Erfahrung eine so wichtige Rolle?

Berufs- und Lebenserfahrung kann eine wertvolle Ressource für das Lernen sein.

Wenn Teilnehmende eigene Erfahrungen einbringen, Situationen vergleichen, Vorgehensweisen diskutieren oder gemeinsam Lösungen entwickeln, entsteht Lernen nicht nur durch die Kursleitung. Auch der Austausch innerhalb der Gruppe wird Teil des Lernprozesses.

Das bedeutet allerdings nicht, dass jede bisherige Erfahrung automatisch richtig ist. Weiterbildung bietet ebenso die Möglichkeit, bestehende Routinen zu hinterfragen, neues Wissen damit abzugleichen und das eigene Handeln weiterzuentwickeln.

Erfahrung ist deshalb nicht nur etwas, das Teilnehmende mitbringen. Sie kann selbst zum Lerngegenstand werden.

Warum muss Lernen nachvollziehbar und relevant sein?

Erwachsene möchten in der Regel wissen, warum sie etwas lernen und wofür sie dieses Wissen benötigen.

Gerade in einer beruflichen Weiterbildung sollte deshalb erkennbar sein, welchen Bezug ein Thema zur späteren Tätigkeit hat. Theorie und Praxis dürfen nicht unabhängig nebeneinanderstehen.

Das beeinflusst auch die Gestaltung unserer Lernveranstaltungen: Erklärungen, Demonstrationen, praktische Übungen, Erfahrungsaustausch und Reflexion können unterschiedliche Funktionen erfüllen. Welche Methode eingesetzt wird, sollte davon abhängen, was die Teilnehmenden lernen und anschliessend können sollen.

Was bedeutet das für unsere Aus- und Weiterbildungen?

Unsere Teilnehmenden bilden keine homogene Gruppe – und das sollen sie auch nicht.

Berufserfahrene Fachpersonen treffen auf Menschen mit weniger Erfahrung oder auf Quereinsteiger:innen. Diese unterschiedlichen Perspektiven können eine Weiterbildung bereichern, wenn sie bewusst in den Lernprozess einbezogen werden.

Unsere Aufgabe als Bildungsanbieter besteht deshalb nicht darin, allen Menschen auf exakt dieselbe Weise möglichst viele Informationen zu vermitteln.

Wir wollen Lernbedingungen schaffen, in denen unterschiedliche Voraussetzungen berücksichtigt werden und gleichzeitig gemeinsame Lernziele erreicht werden können.

Unser Anspruch

Gute Erwachsenenbildung nimmt die Menschen ernst, die lernen.

Sie berücksichtigt vorhandene Erfahrungen, schafft einen nachvollziehbaren Bezug zur Praxis und ermöglicht die aktive Auseinandersetzung mit neuen Inhalten.

Denn Erwachsene bringen bereits viel mit. Gute Weiterbildung baut darauf auf.

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